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Wildform (Foto: P. Gantenbein, 2012)

Die Nymphensittiche haben mich schon vor drei Jahrzehnten fasziniert. Per Zufall wurde mir damals ein Pärchen Nymphensittiche angeboten. Von da an, hatte ich immer wieder „Nymphen“.
Ihr lateinischer Namen ist „Nymphicus hollandicus“. Daran faszinierte mich besonders das Wort „Nymphicus“, was mädchenhaft bedeutet. Der Vogel hat etwas Schlankes, Feenhaftes, Bezauberndes an sich, vor allem wenn er fliegt. Das Wort „hollandicus“ stammt aus der Zeit als Australien noch Neuholland hiess.

Lange Zeit war strittig ob der Nymphensittich zu den Sittichen oder den Kakadus gehört. Seine alten Namen Keilschwanzkakadu und Kakadusittich deuten darauf hin. Gemäss aktuellem Stand gehört er aber zu den Kakadus und ist deren kleinster Vertreter.

Was die Nymphensittiche besonders auszeichnet neben ihrer Eleganz, ist ihr liebes Wessen, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre verspielte Art.

Herkunft, Lebensraum

Die Nymphensittiche kommen in ganz Australien vor ausser in den feuchten Küstengebieten. Sie lieben offenes Gelände mit Wasserläufen.
Sie leben immer paarweise aber in Schwärmen, die aus bis zu 1000 Tiere bestehen können.

Wildlebende Nymphensittiche werden etwa 32 cm lang. Sie haben einen grauen Körper mit weissen Flügeldecken. Kopf und Haube sind vor allem bei Männchen gelb, bei Weibchen grau bis gelblich. Charakteristisch ist der organfarbene Ohrfleck.

Herkunftsgebiet in Australien

Zucht und Zuchtformen

Geperlter Nymphensittich (Foto: P. Gantenbein, 2013)

Die ersten Nymphensittiche kamen kurz nach der Besiedlung Australiens nach Europa. Der erste Zuchterfolg gelang in Deutschland 1850.
In der Zucht werden die gängigsten Farbschläge gezüchtet: Lutinos, Schecken, Zimter, Geperlte und Gesäumte, Silberfarbene, Weisskopf und Albinos. Über die Farben lässt sich streiten, aber wenn der Vogel unter der Zuchtform leidet, zum Teil sind solche Zuchtformen fast blind, finde ich es geschmacklos.
Am schönsten für mich sind die Naturfarbenen mit grauweissem Körper, gelbem Gesicht und Haube, so wie einem grossen orangfarbenen Ohrfleck.

Es kann auch in der Natur zu Mutationen kommen mit andern Farbschlägen, aber diese Vögel haben geringere Überlebenschancen, da sie nicht getarnt sind.

Weibchen haben einen weniger ausgeprägten Ohrfleck, dafür quergestreifte Schwanzfedern. Dies tritt allerdings auch bei noch nicht völlig ausgewachsenen Jungtieren auf.

Haltung

Ich habe festgestellt, wenn man mehrere Nymphensittiche gemeinsam hält sind sie viel ruhiger. In der Natur leben sie ja auch in Schwärmen zusammen.
Es ist sehr wichtig, dass nie ein Vogel alleine gehalten wird, solche Tiere können sich zu „Schreiern“ und/oder „Rupfern“ entwickeln. Die Mär, dass ein alleingehaltener Vogel zahmer wird und mehr nachahmt, sollte in der heutigen Zeit nicht mehr in den Köpfen sein. Wir wollen ja auch Milch von glücklichen Kühen. Gönnen wir also auch unseren „Haustieren“ eine tiergerechte Haltung. Wenn der Besitzer viel Zeit mit seinen Vögeln verbringt, werden sie auch sehr zutraulich und können noch manches erlernen.
Nymphensittiche sind die Kobolde unter den Vögeln. Alles muss erforscht werden und trotzdem sind sehr schreckhaft. Wenn wir schon beim Fliegen sind, meine Nymphensittiche sind wahre Kunstflieger. Max zum Beispiel bringt es ohne weiteres fertig in der Luft stehen zubleiben wie ein Falke der rüttelt.

Handzahmer Lutino (Foto: P. Gantenbein, 2012)

Futter

In der Natur fressen hauptsächlich Grassamen, Unkrautsämereien und Obst. Leider lassen sie sich auch in gerne in Getreidefeldern nieder, was mitunter sehr ungesund für sie ist. Dieser gedeckte Tisch wird vom Menschen verteidigt, was so manchem Vogel das Leben kostet.
Für zuhause kann man eine fertige Samenmischung („Grosssittiche“) im Handel kaufen sollte aber darauf achten dass die Mischung nicht zu fettig ist, sprich zu viele Sonnenblumenkerne enthält.
Als besonderen Leckerbissen wird ein roter oder gelber Hirsekolben immer mit Begeisterung akzeptiert. Je nachdem wo er aufgehängt wird, sorgt das auch für zusätzliche Beschäftigung.

Eier- oder Fruchtstängel, können ganz spartanisch mal als „Leckerli“ eingesetzt werden, doch wenn die Vögel diese täglich bekommen, ist das sehr ungesund und macht aus ihrem Vogel ein Dickerchen.

Meine Nymphensittiche lieben nasse Salatblätter oder eine Schale mit feuchtem Katzengras.

Verspielter, zahmer Lutino (Foto: P. Gantenbein, 2012)

Text und Fotos: P. Gantenbein